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Stundentafeländerung: Stellungnahme des AMV-Vorstands

Im vergangenen halben Jahr hat die Abteilung Berufsbildung und Mittelschule des BKS zwei Mal eine Änderung der Stundentafel am Gymnasium angekündigt. Im Folgenden ein kurzer Abriss der Ereignisse und eine Stellungnahme des AMV-Vorstands.
Mit Schreiben vom 14. Dezember 2010 teilte die Abteilung Berufsbildung und Mittelschule des BKS mit, im Hinblick auf die Lehrplanerneuerung MAR – vorbehältlich des Entscheides des Gesamtregierungsrates .- eine Änderung der Stundentafel vorzunehmen. Dabei solle die Chemie im Grundlagenfach um eine, die Geografie um eine halbe Jahreslektion aufgestockt werden. Damit seien alle maturitätsrelevanten naturwissenschaftlichen Grundlagenfächer mit je 6 Lektionen dotiert. Auf der anderen Seite sei vorgesehen, das Fach Wirtschaft und Recht um eine, den Projektunterricht um eine halbe Lektion zu kürzen. Abgestützt wurde diese Ankündigung mit der im Jahr 2007 erfolgten Teilrevision MAR, die eine Stärkung der naturwissenschaftlichen Fächer vorsieht, gleichzeitig das Fach Wirtschaft und Recht nicht mehr unter den Maturitätsfächern auflistet. Mit Schreiben vom 18. Mai 2011 teilte nun die Abteilung Berufsbildung und Mittelschule mit, der Gesamtregierungsrat habe aufgrund »dezidiert  negativer Reaktionen aus wirtschaftsnahen Kreisen« beschlossen, die Lektionendotation im Fach Wirtschaft und Recht auf dem alten Stand zu belassen. Neu wird dafür die Geografie im Vergleich zur Absichtserklärung von Dezember um eine Lektion gekürzt.
Der AMV-Vorstand reagierte auf diese seiner Meinung nach wenig überzeugende Zickzack-Politik des BKS am 23. Mai 2011 mit einer geharnischten Pressemitteilung (»BKS und Regierungsrat setzen ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel«; vgl. AZ-Artikel vom 24. Mai 2011 [pdf]) und je einem Schreiben an den zuständigen Bildungsdirektor Alex Hürzeler und den Aargauischen Landammann Urs Hofmann. Darin wurde die Beibehaltung der Lektionendotation im Fach Wirtschaft und Recht begrüsst. Gleichzeitig wurde das mutmasslich auf finanzpolitischen Erwägungen beruhende Schwarzpeter-Spiel des Regierungsrates, das nun mit der Lektionenkürzung im Grundlagenfach Geografie endete, verurteilt. Der Regierungsrat wurde vom AMV-Vorstand aufgefordert, die zuvor geplante Stärkung der Naturwissenschaften durch die Aufstockung im Fach Geografie wie ursprünglich vorgesehen durchzuführen.
Mit Datum vom 25. Mai 2011 erhielt der AMV-Vorstand von Landammann Urs Hofmann ein Antwortschreiben. Ihm ist zu entnehmen, dass nicht primär finanzpolitische Überlegungen einer Aufstockung der Geografie im Wege stehen, sondern die Interessen der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, denen genügend Zeit zur Verfügung stehen soll, um den obligatorischen Stundenplan mit Freifächern ergänzen zu können, so dass sie ihren individuellen Interessen und Neigungen optimal nachgehen können. Deshalb habe die Veränderung der Stundentafel saldoneutral zu erfolgen. Weiter lässt das Schreiben verlautbaren, dass die in der Teilrevision MAR 2007 empfohlene Stärkung der Naturwissenschaften bei der Entscheidung des Regierungsrates prioritär war, was zur Aufstockung des Grundlagenfaches Chemie um eine Lektion geführt hat. Der Regierungsrat erachte unter diesen Umständen die Reduktion der Geografie um eine halbe Lektion (in Bezug zur aktuellen Stundentafel) als vertretbar. Er erwarte, dass dies keine gravierende Einschränkung des Geografielehrplans nach sich zieht, sondern dass im Rahmen der auf heutigem Stand belassenen Stundendotation der »Einführung in Wirtschaft und Recht« Themen, die sowohl geografische als auch wirtschaftliche Fragestellungen betreffen, vermehrt in diesem Fach abgedeckt werden. Gemäss Einschätzung des AMV-Vorstandes stellen sich in diesem Zusammenhang mehrere Fragen:

  • Wie weit ist ein Regierungsrat dazu legitimiert, die Hochschulabschlüsse einzelner Fächer neu zu interpretieren und per regierungsrätlichem Beschluss Teillerngebiete (hier Wirtschaftsgeografie) von einem Fach in ein anderes zu verschieben?
  • Was bleibt von der ursprünglich angekündigten Stärkung der Naturwissenschaften nach der Reduktion der Geografie um eine halbe Lektion unter dem Strich faktisch übrig?
  • Hat sich dieser Gewinn angesichts des Vertrauensverlustes der Mittelschullehrerschaft in die zuständigen Behörden gelohnt? Warum werden Vertreter der betroffenen Fachschaften und allenfalls der AMV im Hinblick auf optimalere Lösungen nicht in die Entscheidfindung mit einbezogen?

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